Jakob
Schon als Kind habe ich mir einen Hund gewünscht - aber nie einen bekommen. Doch irgendwann wird das Kind ja zum Glück auch einmal erwachsen und kann selbst entscheiden, welches Haustier bei ihm wohnt.Und so lebt - neben den Hauptstadtwellis - seit mittlerweile fast einem halben Jahr Wauz Jakob bei uns.
Über Jakob's Vorgeschichte wissen wir nicht viel, er landete als Fundhund im Tierheim Verlorenwasser in Belzig. Dort stellte man fest, daß er Angst vor der Leine hat und wenn man einmal darüber nachdenkt, aus welchen Gründen ein Hund Angst vor diesem Gegenstand haben sollte, der eigentlich bedeutet, daß es rausgeht und man schön toben kann, merkt man schnell, daß sein Leben wohl nicht immer rosig war.
Die Angst hat sich zwar zum Großteil gelegt, aber auch heute müssen wir immer noch aufpassen, daß wir in Jakob's Gegenwart keine falsche Bewegung mit der Leine machen, denn sonst zuckt er sofort erschrocken zusammen.
Im Tierheim war Jakob ein sehr unscheinbarer Hund. Die Tage verbrachte er meist in einer selbst gebuddelten Erdkuhle und wenn man an seinem Auslauf vorbei ging, konnte man ihn leicht übersehen. Nur mit viel Überredungskunst der Tierpfleger ließ er sich überhaupt zu einer Gassitour überreden.
Und bei einer solchen lernten wir uns auch näher kennen. Mehr oder weniger. Denn hatte er erst einmal das Tierheimgelände verlassen, war Jakob wie verwandelt, zog an der Leine und mußte überall schnüffeln. Daß da noch Menschen mit ihm unterwegs waren, interessierte ihn kaum, selbst für Streicheleinheiten war er nicht wirklich zu haben.
Nach einem Gespräch mit dem Tierheimleiter darüber, was ich mir denn für einen Hund wünsche - gern schon älter und ruhiger, ein ausgeglichener Charakter - war schnell klar, daß Jakob paßt, denn mit seinen geschätzten acht Jahren ist er nicht mehr der Jüngste und von seinem Bewegungsdrang auch keiner, den man täglich mit mehreren Stunden Agility beschäftigen muß, damit er glücklich ist.
Dem ersten Kennenlernspaziergang folgten noch zwei weitere, dann stand fest, daß Jakob bei uns einziehen soll. Etwas mulmig war mir schon, denn ein Interesse seinerseits war immer noch nicht vorhanden.
Hier angekommen war erst einmal alles neu und ungewohnt - und zwar für beide Seiten, denn wir wußten alle noch nicht so recht, wie wir denn jetzt miteinander umgehen sollten.
War Jakob die ersten Tage noch sehr zurückhaltend, wurde er doch nach zwei Wochen in seinem Wesen immer fordernder und testete aus, ob er denn bei uns die Leitung im Rudel übernehmen könne. Das ging so weit, daß er nicht nur alles in der Wohnung durch Knurren und Drohen verteidigte, von dem er der Meinung war, es wäre seins (und das war nicht wenig), sondern endete damit, daß er auch seine Zähne zum Einsatz brachte, um seinen Willen durchzusetzen.
Zugegebener Maßen waren wir mit dieser Situation überfordert und kurz davor, Jakob wieder abzugeben. Doch was wäre dann aus ihm geworden?

Gutes Zureden von unserem Tierarzt und ein noch einmal völlig anderes Auftreten dem Wauz gegenüber, dazu noch die professionelle Hilfe einer Hundetrainierin - und dann ging es irgendwie.
Nicht von jetzt auf gleich, aber wir bemerkten jeden Tag eine kleine Veränderung, es wurde weniger geknurrt, kaum noch gedroht und vor allem nicht mehr gebissen.
Mittlerweile ist Jakob recht ausgeglichen und hat seinen Platz im Rudel nicht nur gefunden, sondern auch akzeptiert. Natürlich gibt es auch immer wieder einmal Situationen, wo er uns testen muß - aber jetzt wissen wir damit umzugehen und weisen ihn in seine Schranken. Er akzeptiert das.

Der ursprünglich sehr in sich gekehrte Hund, der sich nicht groß für uns interessierte, ist heute ein ganz anderer als noch vor einem halben Jahr.
Fast vier Kilo ist er durch die viele Bewegung und kontrolliertes Futter leichter (bei seinen Vorbesitzern dagegen muß er ständig auch vom Tisch gefüttert worden sein) und ist so jetzt wesentlich agiler. Konnte er, als er hier einzog nur ausgestreckt schlafen, rollt er sich heute immer zu einer kleinen Kugel zusammen, denn endlich ist kein Speckbauch mehr im Weg.
Aber auch sein Wesen hat sich zum Positiven verändert: Wollte er früher kaum etwas von uns Menschen wissen, ist er jetzt aufgeschlossen, kommt auf einen zu und freut sich wie ein kleines Kind, wenn man nach Hause kommt, wo er gewartet hat.
Und das Beste: Für die Wellensittiche interessiert er sich kein Stück. Sie sich auch nicht für ihn. Trotzdem darf er natürlich nur unter Aufsicht ins Wohnzimmer, denn man weiß ja nie. Aber er akzeptiert das und genießt dann die Zeit, die er mit uns zusammen dort verbringen kann, umso mehr.

Mehr über Jakob gibt es hier in seiner eigenen Rubrik im Senfbrötchen-Blog.
Der Artikel wurde am 24.01.2011 von Bea veröffentlicht.
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