Aljoscha wird ein Hauptstadtwelli
Nachdem wir Welli-Hahn Aljoscha ja eigentlich weitervermitteln wollten als wir ihn vor zwei Wochen bei uns aufgenommen haben, fiel nun der Entschluß, daß er bleiben kann.Und das kam so:
Einige Tage nach seinem Einzug in unseren Quarantänekäfig ging es zum Eingangscheck. Bei diesem stellte sich heraus, daß Aljoscha soweit gesund, allerdings stark untergewichtig ist. 6-7 Gramm sollte er zunehmen, um sein Idealgewicht zu erreichen. Für einen Welli ist das ein ganz schöner Batzen.
Das Untergewicht rührt vermutlich von seiner vorangegangenen Ernährung her und der Tatsache, daß er wohl nie in seinem Leben Grit zu Gesicht bekommen hat. Den braucht ein Welli aber, um seine Nahrung im Magen richtig zermahlen zu können. Fehlt er, scheidet der Welli die Körner nur schlecht verdaut wieder aus - wie Aljoscha - und entzieht seinem Futter entsprechend wenig Nährstoffe.
Da unser Pflegling allerdings in der Einsamkeit seiner Quarantäne nicht recht fressen wollte, kam die Idee auf, ihn in den Schwarm zu setzen, in der Hoffnung, der Schwarmtrieb animiere ihn, mehr zu fressen.
Bei seinen 12 Artgenossen angekommen hat er sich dann auch auf Anhieb wohl gefühlt. Trotz großer anfänglicher Schwierigkeiten beim Fliegen und vor allem Landen - oft wird er in seinem früheren Leben wohl wirklich nicht rausgedurft haben - machte er sich doch sehr gut und saß alsbald mit auf dem großen Spielplatz.

Ohne große Schwierigkeiten fand er auch die Voliere und dort die Futternäpfe - und das war ja, worum es ging.

Die Suche nach einem geeigneten Heim lief parallel weiter, allerdings gestaltete sie sich schwieriger als gedacht. Zwar boten sich auch Aufnahmewillige hier aus der Region an, mein Bauchgefühl sagte mir aber, daß ich Aljoscha weder in einem Messingkäfig (Messing ist eine Legierung aus Kupfer und Zink, wobei Zink für Wellis giftig ist) noch bei jemandem wissen möchte, dem 20min Fahrt zum vogelkundigen Tierarzt zu weit sind.
Also blieb der kleine Matz und lebte sich zusehends ein.
Alles wurde erkundet und mit dem Schnabel beknabbert: Äste, Seile, Kork ... Solche Dinge schien Aljoscha nicht recht zu kennen.
Auch daß ein echter Wellensittich im Gegensatz zu einem Spiegel zurückbalzt, war ihm anfangs neu und etwas unheimlich. Aber bald gewöhnte er sich an das Leben in der Bude, fühlte sich sichtlich wohl und baggerte eine Henne nach der anderen an.
Nachdem die ihn der Reihe nach haben abblitzen lassen, nahm er sich die Hähne vor - mit ähnlichem Erfolg ;)

Aber nach einigen Jahren Einzelhaft muß so ein Welli natürlich erst wieder lernen, welche Anmachsprüche funktionieren und welche man sich lieber verkneifen sollte.
Allmählich scheint es aber zu laufen, denn wir haben ihn schon mehrfach mit Keke schnäbeln und Kimi füttern sehen.
Damit fiel dann auch der Entschluß, daß Aljoscha bei uns bleibt.
Von Tag zu Tag wird er wieder mehr zu dem, was er ist: Einem Wellensittich. Von Tag zu Tag wird er sicherer, fühlt sich wohler, blüht er auf.
Er scheint angekommen zu sein und das wollen wir ihm nicht mehr nehmen. Darum bleibt mir nur zu sagen: Willkommen bei den Hauptstadtwellis, Aljoscha!
Der Artikel wurde am 10.05.2011 von Bea veröffentlicht.
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