Einzelhaltung?
Nein! Nein! Und noch mal Nein!Eine Einzelhaltung von Wellensittichen (und generell Schwarmvögeln) ist nicht nur für mich inakzeptabel!
In ihrer Heimat leben Wellensittiche in großen Schwärmen. Von Klein auf haben die Küken Geschwister und ihre Eltern um sich. Und wenn sie flügge werden noch viele weitere Artgenossen.
Ein Wellensittich in freier Wildbahn ist nie allein - und wenn doch, bedeutet es für ihn meist den Tod, denn allein ist er für seine Freßfeinde eine leichte Beute.
Wellensittiche sind sehr soziale und gesellige Tiere. Sie brauchen mindestens einen Artgenossen. Auch in menschlicher Obhut.
Da ist es egal, wie viel Zeit man mit seinem Pieper am Tag verbringen kann, denn zum Einen werden es nie 24 Stunden sein (wie es bei einem artgleichen Partner wären) - man geht auch einmal einkaufen, zur Post oder telefoniert, schläft ... - und zum Anderen spricht man nicht seine Sprache, kann nicht mit ihm zusammen fliegen, ihn mit dem Schnabel am Kopf kraulen, sich mit ihm um eine Schaukel streiten ...
Die Einzelhaltung von einem Wellensittich ist Tierquälerei.
DAS Argument, welches auch heute noch in den Köpfen der Menschen spukt und 'dafür spricht' ist:
Nur ein einzelner Wellensittich wird zahm
Das ist Humbug!
Von den Hauptstadtwellis kommen Tristan, Erik, Kevin-Marcel, Finn und Grisu ohne Zögern für Kolbenhirse auf die Hand. Auch die Mädels und Miguel lassen sich manchmal davon überzeugen - haben es aber nicht nötig, da sie nach der KoHi-Schlacht zumeist von ihren Partnern gefüttert werden.
Ich kenne genug andere Wellensittich-Halter (auch mit mehr als zwei Wellis), deren Vögel wesentlich zutraulicher sind, als unsere.
Bei nur einem Wellensittich ist es die Verzweiflung, die ihn zum Menschen treibt, denn er hat ja sonst Niemanden. Das ist nichts, was im eigentlichen Sinne mit Vertrauen und damit Zahmheit zu tun hat.
Ein Wellensittich, der einen Partner hat und trotzdem zu 'seinem' Menschen kommt, macht das aus Neugierde und Interesse und nicht, weil es die einzige Chance für ihn auf sozialen Kontakt darstellt.
Bei zwei Wellis kann man außerdem prima den Futterneid ausnutzen! Bietet man ein Leckerchen - wie etwa Kolbenhirse - an, wird Einer eher kommen als der Andere und wenn dieser sieht, dass es etwas zu Fressen gibt und seinem Freund nichts geschieht, wird auch der Zurückhaltendere (früher oder später) kommen. Sofern es seinem Charakter entspricht.
Denn es gibt Pieper, die werden nie zahm - auch Einzelvögel.
Manche Menschen wollen gern einen sprechenden Vogel.
Nur, warum fängt ein Einzeltier damit überhaupt an? Weil der Mensch seine Sprache nicht spricht oder versteht und der Welli so versucht, irgendwie zu kommunizieren.
Wenn man sich die Verzweiflung, die hinter diesem Handeln steckt, bewusst macht, ist die ganze Sache kaum noch putzig oder süß, sondern einfach nur traurig.
Viele Einzelvögel entwickeln außerdem psychische Störungen. Manche fangen an, sich die Federn auszurupfen, Andere werden zu 'Kreischern' und schreien den ganzen Tag, wieder Andere entwickeln dem Menschen gegenüber aggressives Verhalten.
Es gibt keinen vernünftigen Grund, einen Wellensittich allein zu halten.
Dies geschieht zumeist aus reinem Egoismus des Menschen, der einen möglichst anhänglichen Vogel möchte, einen, der sich kraulen und durch die Gegend tragen lässt.
Die Psyche des Tieres, sein Wohlbefinden spielen dabei keine Rolle. Lieber heißt es "Der fühlt sich wohl. Dem geht es gut, er hat ja mich."
Das ist Quatsch.
Oder möchtest Du, lieber Leser, Dein Leben lang ohne einen anderen Menschen sein? Unter einer Spezies, die ganz anders ist als Du? Die Deine Sprache nicht spricht, mit der Du nicht reden kannst?
Ein klares NEIN zur Einzelhaltung!
Anmerkung: In Österreich und der Schweiz gibt es bereits ein Tierschutzgesetz, das die Einzelhaltung von Schwarmvögeln verbietet.
Wann zieht Deutschland hier endlich nach?
Der Artikel wurde am 12.11.2009 von Bea veröffentlicht.
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