Erst einer, dann Zwei? - Vorzähmen
Auch heute noch kann man in Büchern über die Haltung von Wellensittichen lesen, dass man sich erst einen und wenn dieser zahm ist einen zweiten Vogel holen soll, damit sich der Zweite das zutrauliche Verhalten vom ersten abschaut.Meine Frage: Was soll das bringen?
Man stelle sich den ersten Pieper vor, der bei einem Züchter mit seiner Familie zusammen gelebt hat, aus seiner vertrauten Umgebung gerissen wurde, um in einem Zoogeschäft an einen Kunden verkauft zu werden. Dort fühlt er sich vielleicht noch halbwegs sicher, denn er hat Artgenossen um sich.
Dann kommt ein Mensch und reißt ihn aus dieser Gemeinschaft.
Er kommt in eine ihm völlig unbekannte Umgebung. Alles ist neu. Und er ist allein.
Wie schon bei der Frage nach der Einzelhaltung erwähnt, wird sich der kleine Matz früher oder später dem Menschen annähern - schließlich ist ja sonst niemand da und er braucht den sozialen Kontakt.
Vielleicht kommt er bald für etwas Kolbenhirse auf die Hand, vielleicht sogar so. Vielleicht landet er alsbald auf der Schulter und bleibt dort einfach sitzen.
Das ist dann wohl der Zeitpunkt, einen zweiten Wellensittich dazu zu holen.
Und auf einmal hat Nummer Eins einen Artgenossen. Jemanden, der so ist wie er selbst. Jemanden, mit dem er sich unterhalten, fliegen und streiten kann.
Dagegen ist der Mensch doch einfach nur langweilig!
Häufig lässt der zuerst geholte Vogel den Menschen links liegen, wenn ein zweiter dazu kommt. Denn der Artgenosse ist viel interessanter.
Der Effekt des Vorzähmens ist damit verflogen.
Und als Mensch? Fängt man wieder von vorne an.
Darum: Gleich zwei Wellensittiche holen! Zu zweit sind die kleinen Gesellen viel mutiger und entdeckungsfreudiger, haben weniger Scheu vor dem Unbekannten. Es ist immer einer da, den man Anstacheln kann oder Übertrumpfen möchte, von dem man etwas lernen kann, der einem etwas zeigt.
Die Zeit, die es braucht um zwei Wellensittiche an den Menschen zu gewöhnen ist nicht unbedingt anders, als bei einem Vogel allein.
Sie ist in erster Linie von der Ruhe und Geduld des Federlosen und den Charakteren der Mini-Geier abhängig.
Und nicht vergessen: Jeder Tag, den ein Wellensittich ohne einen Artgenossen verbringen muss, ist einer zu viel.
Der Artikel wurde am 13.11.2009 von Bea veröffentlicht.
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