Einen kranken Wellensittich erkennen
Was Krankheiten angeht sind Wellensittiche verdammt gute Schauspieler - was es uns Menschen nicht gerade leicht macht, früh zu erkennen, wenn es einem Welli schlecht geht.Allerdings ist dies ihre natürliche Überlebensstrategie: In der freien Wildbahn sticht ein Wellensittich, der Schwäche zeigt, schnell aus dem schützenden Schwarm hervor und ist so ein leichtes Ziel für Angreifer. Das ist auch der Grund, warum kranke Wellensittiche nicht selten von ihrem Schwarm angegriffen, ausgestoßen oder sogar zu Tode gehackt werden, denn schließlich stellen sie auch eine Gefahr für alle dar, wenn sie Freßfeinde anlocken.
Weil auch unser Stubenwelli noch nach demselben Muster gestrickt ist, muß man seine Wellensittiche genau beobachten und kleine Veränderungen etwa im Verhalten frühzeitig wahr und auch ernst nehmen. Denn zeigt ein Wellensittich erst einmal Anzeichen einer Erkrankung, geht es ihm schon so schlecht, daß ihm die Kraft dazu fehlt, sich noch weiter zu verstellen und den gesunden quirligen Vogel zu mimen.
Die häufigsten Krankheitsanzeichen beim Wellensittich:
Aufplustern
Wellensittiche plustern sich - wie alle Vögel - auf, wenn es ihnen gut geht, es etwas kalt ist oder wenn sie schlafen wollen. Betrachtet man sie dabei, kann man erkennen, daß der ganze Vogel 'rund' und wie ein kleiner flauschiger Ball erscheint.
Bei einem kranken Wellensittich dagegen erscheinen die Körperformen durch das Plustern eckig, besonders das Kopfgefieder und die abgespreizten Federn am Rücken zwischen den Flügeln erzeugen diesen Eindruck. Das Gefieder wirkt nicht mehr plüschig weich, sondern gesträubt. Nicht selten wird zusätzlich der Schwanz senkrecht nach unten abgeknickt.
Das Bild zeigt Jurij einige Tage bevor wir uns entschlossen haben, ihn einschläfern zu lassen.

Verhaltensänderungen
Ein ansonsten sehr aufgeweckter Wellensittich schläft auf einmal viel, ein normaler Esser will kaum noch fressen oder sitzt neuerdings den ganzen Tag nur am Futternapf, ein friedlicher Wellensittich zeigt plötzlich seinen Artgenossen und/oder Menschen gegenüber Aggressionen, ein scheuer Wellensittich ist auf einmal zutraulich und läßt sich in die Hand nehmen - diese Veränderungen im Verhalten sind nur einige der möglichen, hinter denen oft eine Erkrankung steckt.
Kennt man seine Wellensittiche, weiß man wie sie ticken, welche Marotten sie haben, wie ihr Tagesrhythmus ist. Gibt es da Veränderungen, die sich nicht durch äußere Einflüsse wie einen Neuzugang oder eine andere Streßsituation erklären lassen und sich alsbald wieder legen, liegt mit hoher Wahrscheinlichkeit in einer Krankheit die Ursache.
Husten/Niesen/Würgen/Erbrechen/Veränderungen beim Kot
Liegt einem Wellensittich einmal ein Körnchen quer, kann man ihn schon einmal bei Würgebewegungen beobachten. Niest er ein, zwei Mal am Tag, reinigt er damit seine Nase. Gibt es kurzzeitig Veränderungen beim Kot, hat er vielleicht einfach zuviel Frischkost auf einmal gefressen.
Treten diese Symptome aber häufiger bzw dauerhaft auf, hat ein Wellensittich Schleim erbrochen oder ist seine Kloakengegend mit Kot verschmiert, sollte man keine Zeit verlieren, ihn dem vogelkundigen Tierarzt vorzustellen.
Veränderungen an Gefieder/Wachshaut/Schnabel/Füßchen
Ein gesunder Wellensittich hat ein glänzendes, glattes Gefieder. Wirkt es matt und stumpf oder sogar struppig, können Mangelerscheinungen oder ernsthafte Gefiedererkrankungen zugrunde liegen.
Federn, die nach der Mauser nicht mehr richtig nachwachsen oder ständig abbrechen, sind ebenfalls eindeutige Krankheitsanzeichen.
Eine farbliche Veränderung der Wachshaut ist bei einer Henne, die sich im Wechsel zwischen Brutstimmung und Ruhephase befindet, nicht besorgniserregend. Auch ist es bei vielen brutigen Hennen normal, daß die Wachshaut krustig erscheint.
Veränderungen in der Farbe der Wachshaut beim Wellensittichhahn etwa von dunkelblau zu braun, sind dagegen ein deutlicher Indikator für eine vorliegende Hormonstörung, ausgelöst etwa durch einen Tumor oder ein Leberleiden.
Weißliche Beläge, die sich um und auf der Wachshaut bilden können, sich ein Zeichen für Grabmilben.
Diese Milben können ebenfalls den Schnabel und die Füßchen befallen und dort zu Veränderungen wie etwa vermehrtes Längenwachstum von Schnabelhorn und Krallen führen.
Erscheint der Wellensittichschnabel wie halbdurchsichtiges Wachspapier, ist auch das nicht der Normalzustand.
Rötungen und offene Stellen an den Füßchen dürfen auch nicht sein und gehören dringend behandelt.
Probleme beim Fliegen/Koordinationsschwierigkeiten
Kann ein Vogel auf einmal nicht mehr richtig fliegen, kann das viele Ursachen haben. Nicht selten spielt hierbei Übergewicht eine Rolle, allerdings kann z.B. auch eine Verletzung zugrunde liegen.
Probleme mit der Koordination können ihre Ursache in einem Kollisionsunfall, einem Tumor oder Nervenleiden haben.
Wer eines oder mehr dieser Symptome bei seinem Wellensittich beobachtet, sollte schnellstmöglich einen vogelkundigen Tierarzt aufsuchen. Die Liste der Erkrankungen, die Auslöser sein können, ist vielfältig und nur durch eine genaue Diagnose kann die richtige Therapie eingeleitet werden.
Das Immunsystem von Wellensittichen unterscheidet sich stark von dem eines Menschen - eine 'Erkältung' geht nicht einfach so weg, sondern bedarf einer medizinischen Behandlung. Auch wenn sich der Allgemeinzustand des Vogels zu bessern scheint, hat sein Körper die Erreger nicht besiegt.
Da der Stoffwechsel bei Wellensittichen viel schneller funktioniert als unserer, bauen die Vögel auch viel schneller ab. Das ist auch der Grund, warum man einen Besuch bei vogelkundigen Tierarzt nie hinauszögern sollte, in der Hoffnung, der Welli genese auch so.
Auch wenn ein Wellensittich schwach erscheint und der nächste vogelkundige Tierarzt ein gutes Stück entfernt ist, ist das kein Grund, den Vogel nicht behandeln zu lassen!
Sicherlich stellen Transport und Untersuchung ein gewisses Maß an Streß dar - sind aber gering, vergleicht man das mit den Schmerzen und dem Leid, welches der Wellensittich ohne eine adäquate Behandlung durchleidet, oder dem Tod, der die Folge der meisten Krankheiten ist, werden diese nicht behandelt.
Der Artikel wurde am 20.01.2011 von Bea veröffentlicht.
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